Orville Peck – MULE: Country in theatralischer Pracht
Der kanadische Musiker Orville Peck lässt auf seinem neuen Album Country-Konventionen tanzen. Mit dramatischen Arrangements und seiner markanten Stimme schafft er musikalisches Theater im Westerngewand.
Orville Peck hat sich auf seinem Album MULE in die Rolle eines Country-Künstlers mit Opernambition hineingeworfen. Bereits in den ersten Tracks zeigt sich die Bandbreite seines Ansatzes: Ein Kinderchor singt zum düsteren Prolog, während seine tiefe Stimme über minimalistischen Banjo-Arrangements hängt.
Das Album verhandelt Country-Musik auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Peck arbeitet bewusst mit Klischees des Genres – swingende Saloon-Atmosphären treffen auf finstere, dicht orchestrierte Arrangements. Die Vertonung hat wenig mit traditionellem Country gemein, sondern nutzt die ästhetischen Codes des Genres als Basis für etwas Größeres und Dramatischeres.
Mit MULE positioniert sich Orville Peck als Grenzgänger zwischen Country und Grand-Guignol-Theater. Seine Musik fordert den Genre heraus und transformiert es in etwas, das ebenso sehr an Operette erinnert wie an Nashville.