Jan Müller: Das Ende der Hi-Fi-Bewegung durch Streaming
Kolumnist Jan Müller blickt zurück auf eine Ära leidenschaftlicher Audiobegeisterter. In den 70ern und 80ern war die Optimierung der eigenen Stereoanlage noch Lebensstil – heute verdrängt das Streaming diese Kultur.
Der Musikjournalist Jan Müller erinnert sich an eine Zeit, in der die Qualität des eigenen Sound-Systems zum zentralen Gesprächsthema unter Musikliebhabern avancierte. Wer in den Jahrzehnten nach 1971 aufwuchs, bekam eine Subkultur mit, die dem perfekten Klang geradezu religiöse Verehrung entgegenbrachte.
Für echte Hi-Fi-Enthusiasten war die Stereoanlage nicht einfach nur Möbel im Wohnzimmer, sondern ein andauerndes Projekt. Sie experimentierten ständig mit neuen Komponenten, tauschten Lautsprecher und Audiokabel aus und beobachteten jeden technischen Fortschritt mit größter Aufmerksamkeit. Diese intensive Beschäftigung mit der Reproduktionsqualität prägte eine ganze Generation von Audioliebhabern.
Müller dokumentiert, wie diese spezialisierte Kultur durch die Streamingrevolution verdrängt wurde. Während früher der Weg zur perfekten Wiedergabequalität im Mittelpunkt stand, haben sich die Prioritäten längst verschoben – hin zu unmittelbarer Verfügbarkeit und Komfort statt technischer Perfektion.