Ermittlungen: Mutmaßlicher CSD-Attentäter hatte engere IS-Verbindungen als vor Gericht dargelegt

Ein Berliner Gericht hatte den späteren Verdächtigen des CSD-Attentats im Mai entlassen, weil es seiner Aussage glaubte, sich vom IS distanziert zu haben. Recherchen deuten auf intensivere Kontakte zur Terrormiliz hin.
Der Mann, der für einen Anschlag auf ein Christopher-Street-Day-Fest in Berlin verdächtigt wird, kam vor wenigen Monaten aus der Haft frei. Ein Schöffengericht in der Hauptstadt beschloss damals, ihn trotz seiner früheren Verbindungen zur Terrororganisation Islamischer Staat laufen zu lassen – die Richter glaubten seinem Bekenntnis, sich von der Gruppe abgewandt zu haben.
Gemeinsame Recherchen von NDR, WDR und der Süddeutschen Zeitung zeichnen jedoch ein anderes Bild. Die Journalisten sprechen von Belegen, dass das Verbindungsnetzwerk des Verdächtigen zur IS-Miliz deutlich engmaschiger gewesen sein dürfte, als es vor Gericht dargestellt wurde. Unter anderem sollen Symbole der Terrororganisation und entsprechende Propagandamaterialien bei ihm gefunden worden sein.
Die Recherche wirft Fragen darüber auf, welche Informationen dem Gericht bei seiner Entscheidung vorlagen und ob die Gefährlichkeitseinschätzung damals ausreichend war.